Wir wollen uns als CDU-Kreisverband Wittenberg künftig auch verstärkt mit landespolitischen Themen beschäftigen, so der CDU-Kreisvorsitzende Dr. Christian Roth, und wollen uns als erstem Thema der Wissenschaft und Hochschulpolitik in Sachsen-Anhalt widmen. Jeder kenne, so Roth, den ständig propagierten Satz, dass das Kapital eines rohstoffarmen Landes allein in den Köpfen seiner Menschen liege, aber wie steht es tatsächlich um die Hochschullandschaft in Sachsen-Anhalt und wie steht Sachsen-Anhalt, wie stehen die neuen Bundesländer insgesamt im nationalen Vergleich.
Dazu hat der CDU-Kreisverband den Altrektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ehemaligen Vorsitzenden der Landeshochschulrektorenkonferenz Prof. Dr. Wilfried Grecksch eingeladen. Dieser schilderte in seinem Vortrag die Entwicklung der Hochschulen in der Nachwendezeit und die Probleme, die durch die Integration von Hochschulen in die Martin-Luther-Universität entstanden. Dadurch ergaben sich für viele Bereiche große personelle Überhänge. Ein Hauptproblem sei es, so Grecksch gewesen, dass mit den zunehmenden finanzpolitischen Engpässen durch diese Überhänge schon ab Mitte der neunziger Jahre, das Berufungsgeschehen, d.h. die Neueinstellung von Professoren, und die Einstellung von wissenschaftlichem Nachwuchs schwerer geworden waren.
Erst mit den Vereinbarungen der Regierung Höppner, die den Universitäten zwar eine pauschale Etatkürzung von 20 Prozent bescherte aber gleichzeitig die Überhänge in einen separaten Etat überführte, hatten die Universitäten für eine kurze Zeit wieder Gestaltungsmöglichkeiten. Mit dem Abschluss der Zielvereinbarungen 2006 bis 2010 erhielten die Hochschulen erstmals vom Land Sachsen-Anhalt für fünf Jahre verbindliche Finanzierungszusagen. Es mussten von den Hochschulen Einsparungen in Höhe von 28,8 Millionen EURO erbracht werden, die mit strukturellen Überlegungen, wie die Beseitigung von Dopplungen und Entwicklung von Profilen und Schwerpunkten verbunden waren.
In der anschließenden Diskussion wurden die Probleme diskutiert, die durch die Föderalismusreform entstanden sind. Ein Problem der neuen Länder ist, so Roth, dass durch das Kippen des Hochschulbauförderungsgesetzes HBFG der Hochschulbau und die Finanzierung von Großgeräten alleinige Ländersache wird, so dass es für die finanzschwachen neuen Länder noch schwerer wird, sich im harten Wettbewerb mit den Westuniversitäten durchzusetzen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Universitäten gegenüber den Instituten der Max-Planck-, der Fraunhofer- und der Helmholzgesellschaft zurückfallen.
Die demographische Entwicklung und die haushaltspolitische Situation des Landes im Blick, sagte Prof. Grecksch, dass es nicht einfach sein wird, die finanziellen Rahmenbedingungen der Hochschulstrukturplanung des Landes aus dem Jahr 2004 zu sichern. Trotzdem müsse den Hochschulen ein sicherer Etat langfristig garantiert werden, damit sie sich entwickeln und Forschungsschwerpunkte in Kooperation mit den außeruniversitären Forschungsinstituten international bestehen können.
Des Weiteren wurden angesichts der Studentenproteste in Leipzig der Bologna-Prozesses, d.h. der bundesweiten Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge, diskutiert. Das Hauptproblem, so Roth, sei es, dass durch die gestuften Studiengänge der Betreuungsaufwand sich drastisch erhöht. Deshalb sei es u.a. erforderlich, dass die im künftigen Hochschulgesetz verankerten Hochschul-Dozenten, d.h. ausgewiesene Wissenschaftler mit einem erhöhten Lehrauftrag, auch verstärkt eingestellt werden – aber nicht zu Lasten von Professorenstellen.

