Zur Berichterstattung in der Mitteldeutschen Zeitung am 30.04.2012 „Mehr als 60 Grundschulen akut gefährdet“ erklärt der Fraktionsvorsitzende der CDU Fraktion im Kreistag Wittenberg, Enrico Schilling: „Es stellt sich für mich die Frage, ob dem Kultusminister an einer qualitativ hochwertigen Schulbildung gelegen ist oder vielmehr an der Durchsetzung ideologisch geprägter einseitiger politischer Interessen. Soll doch in Zukunft nur noch in Grundschulen mit mindestens 100 Schüler investiert werden. Das heißt, dass derzeit mehr als die Hälfte aller Grundschulen in Sachsen-Anhalt sich Gedanken über die zukünftige Entwicklung machen muss.“
Der Verweis auf die Mindestschülerzahlen von Einzel- und Mehrfachstandorten ist sehr interessant. Sind doch eine Vielzahl von Grundschulen durch die Einführung der Einheitsgemeinden im Land Sachsen-Anhalt über Nacht offensichtlich zu Mehrfachstandorten geworden. Die Wege zwischen den einzelnen Dörfern haben sich über Nacht jedoch nicht im gleichen Umfang verkürzt.
So würde eine Schulpolitik, welche auf große zentral eingerichtete Bildungskombinate setzt weiter dafür sorgen, dass Schulwege weiter und Schulbusfahrzeiten länger werden. Auf die vom Landkreis zu tragenden Kosten für die Schülerbeförderung soll an dieser Stelle nur am Rande eingegangen werden. Nur so viel: im Landkreis Wittenberg werden im Jahr 2012 etwa 6,7 Millionen Euro für den Schülerverkehr aufgewandt, bei gleichzeitig landesseitigen Zuweisungen in Höhe von 850 Tausend Euro. Eine Tendenz, die auch weitreichende Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung der Hebesätze der Kreisumlage haben wird.
Einen derartigen Einschnitt in die Schulstruktur hat Sachen-Anhalt bisher nicht erlebt. Auch die weiteren Pläne zur Einführung von Gemeinschaftsschulen lassen stürmische Zeiten für die Schullandschaft, vor allem im ländlich geprägten Bereich erkennen, erklärte Schilling.
„Leider ist Schulpolitik wieder einmal zur Spielwiese von Landespolitikern geworden. Eine dringend notwendige Beständigkeit im Schulsystem, wie sie von anderen Bundesländern vorgelebt wird, wird wohl in Sachsen-Anhalt auch in Zukunft nicht eintreten. Ist doch gerade diese Beständigkeit und Verlässlichkeit in Schule eine Grundlage für solide Ergebnisse. Vergleiche wie Pisa haben dies eindrucksvoll bewiesen. Schade, dass wieder eine Chance vertan wird und eine Generation Schülerinnen und Schüler in der grauen Realität ausbaden muss, was man sich in Magdeburg mit bunten Farben malt.“

