Zum diesjährigen Volkstrauertag forderte der Fraktionsvorsitzende Enrico Schilling die Menschen überall auf, für Frieden zu sorgen. Insbesondere das WIE stand im Mittelpunkt seiner Rede, an dem Tag, an dem den Opfern von Gewalt und Gewaltherrschaft gedacht wird. Dabei spannte er den Bogen von der individuellen Umgebung eines jeden Einzelnen bis hin zu weit entfernten Schauplätzen internationaler Auseinandersetzungen.
„Sorgen wir dafür, dass Frieden bleibt, Frieden zwischen den Menschen in unserer Gesellschaft. Setzen wir uns alle dafür ein, mit Kraft, mit Mut und mit Zivilcourage. Denn die Frage des Friedens ist keine Frage an die Welt, sondern eine Frage an jeden selbst“ so Schilling.
Rede von Enrico Schilling zum Volkstrauertag 2010: Dem Frieden der Welt dienen.
Dem Frieden der Welt dienen.
Rede des Vorsitzenden der CDU Fraktion im Kreistag Wittenberg zum Volkstrauertag.
– es gilt das gesprochene Wort –
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
„Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibt, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern“, forderte Bundespräsident Theodor Heuss 1952, als 68 jähriger von den Menschen.
„…Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern.“ Was für eine große Aufgabe! Was soll ich tun, ich kleiner Mensch im „Big Bussines“? Fragen auch Sie sich das?
Was sollen wir tun? Wir leben schon seit langen Jahren und Jahrzehnten in einem Land ohne Krieg. Mitten im dicksten Zivilleben, wie es in Wolfgang Borcherts Theaterstück „Draußen vor der Tür“ heißt. Mitten im dicksten Zivilleben und wirklich ohne Krieg?
Wir gedenken heute der Millionen Toten der Weltkriege. Wir gedenken der Opfer von Gewaltherrschaft und wir gedenken der Opfer von Gewalt. Doch gedenken wir der Vergangenheit?
Auch heute, im Jahr 65 nach Ende des zweiten Weltkrieges, sterben Menschen in Kriegen.
Und was ist mit den Opfern von Alltagsgewalt, all den Namenlosen, die leiden – unter Ignoranz, unter verbalen Attacken, unter körperlichen Übergriffen, unter häuslicher Gewalt und Gewalt auf der Straße?
Wir alle erinnern uns an die Bilder vom Münchner S-Bahnhof Solln im letzten Jahr. Was ist mit Menschen wie Dominik Brunner, dessen Zivilcourage keine Unterstützung fand an diesem denkwürdigen 12. September 2009? Und dessen Zivilcourage ein Jahr später von Presse und Gerichten in Frage gestellt wurde, nachdem ihm eilig posthum das Bayerische Verdienstkreuz und der „XY-Preis für Zivilcourage“ verliehen worden waren?
Ging anfangs mit der Berichterstattung über Brunners Einsatz für die jungen Leute ein dringender Appell durch die Presse mit dem Tenor „Solche Menschen braucht das Land“, wurden im Rahmen der gerichtlichen Untersuchungen die Person und sein Engagement in Frage gestellt. Zu Recht oder nicht – darum geht es mir gar nicht. Aber eines ist sicher: Die mediale Schlammschlacht um die hässlichen Szenen am S-Bahnhof Solln motivieren niemanden, sich um andere zu bemühen – sich einzumischen, wenn er Gefahr für andere erkennt.
Vielleicht versetzt es sie in Erstauen oder erschreck Sie, dass ich heute, am Volkstrauertag, dieses Thema aufgreife. Aber das ist meine Antwort auf die Frage: „Was soll ich tun?“
Trotzdem handeln – oder gerade deswegen! Mutig und energisch der Gewalt entgegentreten. Das „Ende der Geduld“ ist erreicht, wie die kürzlich verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig in ihrem gleichnamigen Buch feststellt.
Und mit dem Ende der Geduld auch der Anfang des Handelns: Ich in kommunaler Verantwortung aber auch Sie als Zeugen, als Helfer. Wir alle sind gefragt! Schauen wir nicht weg, schauen wir hin!“
Greifen wir ein, wenn es nötig ist. Machen wir eine Aussage, wenn wir gefragt werden. Nicht immer nach dem Motto der bekannten drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nicht sagen.
Das gilt auch für die Opfer. Wenn sie nicht anzeigen was ihnen widerfahren ist und wenn sie nicht zu ihrer Anzeige stehen, können die Schuldigen nicht zur Rechenschaft oder gar aus dem Verkehr gezogen werden. Schützen wir uns und damit auch andere.
Das ist unsere Aufgabe: Sorgen wir dafür, dass Frieden bleibt, Frieden zwischen den Menschen in unserer Gesellschaft. Setzen wir uns alle dafür ein, mit Kraft, mit Mut und mit Zivilcourage. Denn die Frage des Friedens ist keine Frage an die Welt, sondern eine Frage an jeden selbst.

