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Stolpersteine vor der CDU-Kreisgeschäftsstelle Wittenberg verlegt

Mit der Verlegung der „Stolpersteine“ soll an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden. Finanziert durch den Bundestagsabgeordneten Ulrich Petzold, den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag Wittenberg, Enrico Schilling und den Kreisgeschäftsführer Christian Tylsch wurde am 29. Juli in der Jüdenstraße 29 in Wittenberg ein solcher Stolperstein für Martin Kolf verlegt. Damit soll an Martin Kolf erinnert werden, der vor 71 Jahren von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Dachau wegen seiner jüdischen Herkunft, ermordet wurde. Martin Kolf war Konfektionsschneider und lebte in der Jüdenstraße 29 in Wittenberg. In diesem Haus hat heute der CDU-Kreisverband mit seiner Kreisgeschäftsstelle seinen Sitz.

Der Künstler Gunter Demnig entwickelte das Gedenkprojekt „Stolpersteine“ und verlegte in diesem Zusammenhang bereits über 32.000 Steine in etwa 700 Orten. Der Gedenkstein, welcher in den Fußweg eingelassen wird, trägt meist die Überschrift: HIER WOHNTE. Dazu wird der Vor- und Nachname, das Geburtsjahr, das Deportationsjahr und der Ort, sowie die Angabe zum Schicksal eingeprägt.

Ulrich Petzold MdB betonte, dass die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten einen großen Beitrag dazu leistet, derartiges nicht wieder geschehen zulassen. „Die Stolpersteine sind eine stille Mahnung für die Nazi-Verbrechen und erinnern uns an den enormen Umfang der Deportationen und Morde. Sie machen deutlich, wo überall Menschen mit jüdischem Glauben lebten und welches Schicksal hinter jeder einzelnen Person steckt. Dieses Gedenken ist wichtig und hat einen unschätzbaren Wert gegen das Vergessen.“

Schilling und Tylsch sagten, dass für die junge Generation diese Form der Erinnerung besonders wichtig ist. Das Unrecht, so die beiden Kommunalpolitiker, sei eben nicht nur in den Konzentrationslagern an bestimmten Orten geschehen, sondern es begann mitunter vor der eigenen Haustür.

 

Hintergrund

Vor 71 Jahren, am 28. Januar 1941, wurde Martin Kolf (18.01.1889- 28.01.1941) im Konzentrationslager Dachau ermordet. Martin Kolf wurde in Skierniewice (Polen) geboren und lebte seit etwa 1915 als russischer Kriegsgefangener in Kleinwittenberg. Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft lebt er weiter in Wittenberg, ließ sich evangelisch taufen und bekam mit seiner Frau Anna einen Sohn. 1934 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft wegen seiner jüdischen Herkunft aberkannt. Im Herbst 1939 wurde er verhaftet, kam am 21. März 1940 zunächst ins KZ Sachsenhausen und wurde schließlich am 6. September 1940 in das KZ Dachau verlegt. Vier Monate später kam Martin Kolf ums Leben. In den offiziellen Unterlagen wurde als Grund „Versagen von Herz und Kreislauf“ angegeben, eine jener perfiden Umschreibung, um die wahre Todesursache des organisierten Massenmordes zu verschleiern.